„Ein Mann zu viel”
Hansen
– Meier – Schmidt – Müller! Büro Müller!! – Der junge
Mann klingelt, geht in das Haus. Zweiter Stock. Eine Tür ist offen, ein
schmaler Flur, am Ende ein Schreibtisch, dahinter eine junge Frau, Mitte Zwanzig,
langes, braunes Haar. Es ist Bea Braun, die Sekretärin von Helmut Müller,
Privatdetektiv.
„Guten
Tag, ist Herr Müller da, bitte?“
„Einen
Moment, bitte, wie ist Ihr Name?“
„Hofinger.
Herr Müller wartet auf mich.“
Bea Braun geht in ein anderes Zimmer.
Nach einer Minute kommt sie zurück,
zusammen mit dem Privatdetektiv: ein Mann um die Vierzig, dunkle Haare,
freundliche, ruhige Augen, ein rundes, etwas trauriges Gesicht, eine ebenso
runde und traurige Figur.
„Sie
sind also Herr Hofinger! Freut mich!“
„Ja,
richtig! Guten Tag, Herr Müller.“
„Kommen
Sie in mein Büro. Möchten Sie einen Kaffee?“
– „Ja, gern.“ – „Mit Milch und Zucker?“
– „Nur mit Milch, bitte.“ Sie gehen in das Büro von Müller
und setzen sich an einem Tisch. – „Also, Herr Hofinger, was kann ich
für Sie tun?“ – „Tja, also, eine Freundin, die Sie auch gut
kennen, meint, Sie sind ein Privatdetektiv.“ – „Ach so? Und
wer ist die Freundin?“ – „Petra Weiser.“ – „Ah
ja, die kenne ich gut, sehr gut sogar.“ – „Freut mich. Also
ich bin gerade in Berlin , um eine Reportage über die Filmfestspiele
zu machen .“ – „Aha Sie sind Journalist?“ –
„Na ja, mehr oder weniger. Ich mache Fotos und Artikel für einige
Zeitschriften, arbeite aber auch in der Werbung.“ – „Ach, Sie
sind also gar nicht aus Berlin?“ – „Nein, ich komme aus
Hamburg, muss aber viel reisen. Jedenfalls, gestern bekam ich diesen Zettel.
Hier bitte!“
Du weißt zu viel. Vorsicht - oder du bist ein toter Mann!!!
„Donnerwetter, woher haben Sie
den Zettel?“ – „Er war im Briefkasten von Petra Weiser.“
– „Und wisse Sie die , dass Sie dort wohnen?“ – „Keine
Ahnung!“
Bea Braun kommt ins Zimmer. – „Chef, Telefon für Herrn
Hofinger.“ Hofinger geht ans Telefon, es ist Petra Weiser. – „Werner,
jemand war in der Wohnung, es ist alles durcheinander, Papiere auf dem Fußboden,
der Schrank ist auf, Hosen und Hemden und alles....“ – „Ist
etwas weg?“ fragt Hofinger. – „Ja, alle Fotoapparate und alle
Fotos von deiner Reportage!“ – „Oh Gott, Petra, bleib ruhig,
ich sage es Herrn Müller!“!
Werner
Hofinger legt den Hörer auf. Er ist nervös. –„Es war Petra. Jemand
war in der Wohnung und hat alle Kameras und Fotos mitgenommen.“
„Wie?
Ich versteche nicht, welche Fotos?“
„Meine
Berliner Fotos. Von den Filmfestspielen, vom Ku–Damm,
vom Bahnhof
Zoo, von Kreuzberg... Kinder, Leute, Spaziergänger, ganz normale
Fotos. Eine ganze Serie.“
„Gibt
es noch mehr Fotos?“
„Ja,
die sind im Fotolabor ’Blitz’“
„Und
wann sind sie fertig?“
„Heute
Nachmittag.“
„Gut“.
Detektiv Müller steht auf, gibt Herrn Hofinger die Hand.
„Kommen
Sie heute Nachmittag gegen fünf wieder hierher. Meine Sekretärin holt die
Fotos. Beruhigen Sie sich erst mal, trinken Sie einen Kaffee.“
„Ja,
danke ich weiß nicht ... das ist alles wie im Film.“ Müller lächelt.
„Ja,
wie in einem schlechten Fernsehfilm.“
Werner
Hofinger geht aus dem Büro, stecht im Zimmer der Sekretärin.
„Was
ist los? Ist etwas nicht in Ordnung?“ fragt Bea.
„Nichts,
nichts. Danke. Ich bin ein bisschen nervös.“
„Machen
Sie sich keine Sorgen, Herr Müller ist ein wunderbarer Detektiv ...“
„Ich
weiß, ich weiß.“
„Soll
ich ein Taxi rufen?“
„Nein
danke, ich geh’ lieber ein bisschen spazieren. Ich brauche etwas Ruhe. Ich
bin ja um fünf wieder hier!“
„Bis
später, also“, sagt Bea. Dieser Herr Hofinger gefällt ihr. Sie mag seine
blauen Augen und seine Hände. „Künstlerhände“, denkt Bea. Werner
Hofinger ist weg. Helmut Müller kommt in das Zimmer von Bea. Sie träumt.
„Was
ist denn mit Ihnen los?“
„So
schöne Augen. Ein toller Mann.“
„Also,
Bea“, sagt Müller ernst und ein bisschen unfreundlich, denn er hat keine
blauen Augen und ist auch nicht besonders hübsch.
„Es ist mir egal, ob Herr
Hofinger schön ist oder blaue Augen hat. Er ist ein Klient, ein Klient mit
Problemen. Außerdem ist er ein Freund einer guten Freundin. Er wohnt bei ihr in
Berlin, wenn Sie verstechen! Können Sie mir jetzt einen Moment helfen?“
„Zu
dumm“, denkt Bea.“ Immer, wenn mir ein Mann gefällt, ist er
entweder verheiratet oder hat eine Freundin.“
Sie nimmt einen Bleistift und ein Heft und geht zu ihrem Chef.
Werner Hofinger geht in eine Konditorei. Dort gibt es auch Kaffee. Jetzt sitzen nur alte Damen hier und essen Erdbeertorte mit Sahne, mit viel Sahne. Er trinkt einen Kaffee, dann geht er zu Petra Weiser. Sie ist nicht da. In der Wohnung ist alles chaotisch. Er räumt ein bisschen auf. Die Bücher kommen in das Regal, die Kleider in den Schrank, er sammelt Schallplatten ein. Er hat keine Lust, weiter aufzuräumen. Die Fotos weg, die Kameras weg, die ganze Arbeit für die Reportage umsonst, der Zettel...
„Hallo Werner, wie geht’s?“
Petra ist zurückgekommen.
„Wie war’s bei Helmut Müller?“
„Gut, gut. Ich habe alles erklärt,
und er war sehr nett. Um fünf gehe ich zu ihm, seine Sekretärin holt die
Fotos.“
„Welche Fotos?“
„Die Fotos von gestern sind
in Fotolabor. Um fünf Uhr sind sie fertig.“
„Prima, ich komme mit, aber
jetzt gehen wir essen, einverstanden?“
Sie essen bei „Hardtke“, einer Kneipe in der Nähe vom
Ku-Damm. Dort gibt es Berliner Schlachtplatte.
Immer, wenn Werner zu Besuch in Berlin ist, geht er mit Petra zu „Hardtke“.
Zum Essen gibt’s eine Berliner
Weiße, eine Art Weißbier, wie man es sonst nur in Bayern trinkt.
Nach dem Essen gehen sie zu Müller.
„Also ich sehe nichts
Besonderes“, sagt Petra. Helmut Müller nimmt die Fotos, schaut sie noch
mal an.
„Sie sind ein guter Fotograf,
sehr gut, sehr gut, aber ich kann nichts Besonderes finden...“
„Chef,
schauen Sie, hier, auf dem Foto da hinten, zwei Männer, sehen Sie?“
„Ja,
und?“
„Ich
glaube, der eine gibt dem anderen etwas, irgend etwas. Außerdem glaube ich, ich
kenne die Männer.“
„Was?“
„Ja,
aber sie sind so klein, man kann es nicht genau sehen...“
„Wenn
Sie wollen“, sagt Hofinger, „kann ich sie vergrößern lassen.“
Müller
überlegt einen Moment. „Eine gute Idee, aber das machen wir selbst. Man
kann Ihnen folgen.“
„Na,
Chef, glauben Sie, wir haben eine Spur?“ fragt Bea.
„Ich
weiß nicht, ich weiß nicht, vielleicht..“
Am
nächsten tag sind die Vergrößerungen fertig. Helmut Müller hat jetzt auch
das Gefühl, er hat die beiden Männer schon einmal gesehen. Aber er ist sich
nicht sicher.
„Bea,
kennen Sie diesen Mann?“ fragt er und zeigt auf einen der beiden.
„Den
nicht, Chef, aber den anderen, glaube ich, der vom anderen das Päckchen bekommt.“
„Wer
ist es?“
„Der
Gläser-Peter.“
„Was?
Kann nicht sein, der ist doch im Gefängnis!“
„Im
Gefängnis? Lesen Sie keine Zeitung, Chef? Der ist doch ausgebrochen!“
In diesem Moment klingelt es an der Tür.
Bea macht auf. Es sind Werner Hofinger und Petra Weiser. Petra Weiser sieht, wie
Müller mit ernstem Gesicht ein Foto anschaut.
„Was ist los?“ fragt sie
ein bisschen besorgt, denn sie kennt Helmut schon lange und hat ihn noch nie mit
so einem ernsten Gesicht gesehen.
„Der Mann auf dem Foto ist der
Gläser-Peter“
„Was? Wer?“ Petra kann es
nicht glauben.
Müller, Bea und Petra schauen zu
Werner Hofinger.
„Gläser-Peter sucht Sie. Er ist
ein gefährlicher Mann!“
„Und was soll ich tun?“
fragt Hofinger.
„Wegfahren“, sagt der
Detektiv. „Fahren Sie für einige Tage mit Petra weg.“
„Chef, ich weiß nicht, ich
glaube, das ist keine gute Idee.“
„Warum nicht?“
„Man kann ihnen folgen... auf
der Autobahn...“
„Stimmt. Es ist besser, Sie
Bleiben in Berlin.“
Alle sind nervös. Nach einigen
Minuten sagt Hofinger:
„So ei Pech, da komme ich nach Berlin, will die Fotos von den Filmfestspielen und den Berlinern machen, und was passiert? Ich fotografiere einen Gangster!“
„Nur ruhig“, sagt Müller.
„Am liebsten geht ihr jetzt nach Haus. Bea bestellt euch ein Taxi. Wenn
etwas ist, ruf mich an, Petra. Du hast doch meine Nummer?“
„Die gleiche wie früher?“
„Nein“, sagt Müller etwas traurig. „Ich lebe nicht mehr mit Karin zusammen, wir haben uns getrennt. Ich wohne jetzt in Wilmersdorf, in der Neuen-Kant-Straße. Meine Nummer ist zwei – zwei – vier – drei – sieben – fünf.“
„Zwei – zwei – vier – drei – sieben – fünf“, wiederholt Petra und schreibt die Nummer auf.
„In Ordnung. Wenn es ein Problem gibt, rufen wir dich an. Danke, Helmut, vielen Dank.“
„Schon gut, schon gut.“
Petra und Werner nehmen ein Taxi. Der Fahrer ist ein junger Student. Er verdient sich sein Studium als Taxifahrer – wie viele andere Studenten. Es geht nur langsam voran, die Straßen sind voller Autos. Jetzt, gegen sechs Uhr, ist es am schlimmsten, es ist Büroschluss, und alle Leute fahren nach Hause. Endlich sind sie wieder vor dem Haus von Petra.
„Achtzehn sechzig“, sagt der Fahrer. Werner gibt ihm einen Zwanzigmarkschein.
„Stimmt so.“
Sie steigen aus und schauen nach links und rechts. Sie glauben, dass niemand ihnen folgt oder sie beobachtet. Schnall gehen sie in das Haus. Petra öffnet den Briefkasten – nichts. In der Wohnung ist immer noch Chaos. Werner geht ins Wohnzimmer und legt eine Platte von Udo Lindenberg auf, ’Udo und das Panikorchester’.
„Warum ist das Foto bloß so wichtig für den Gläser-Peter?“
„Keine Ahnung, Petra, ich habe wirklich keine Ahnung!“
Am nächsten Morgen um 10 Uhr klingelt es an der Tür. Werner und Petra sind beim Frühstück, Berliner Schrippen mit Butter und Marmelade, dazu Kaffee. Petra steht auf und geht zur Tür:
„Wer ist da?“ fragt sie, ohne zu öffnen.
„Ich bin’s, Helmut Müller.“
Petra öffnet die Tür. „Guten Morgen. Hast du schon gefrühstückt?“
„Guten Morgen. Ja, danke.“
„Möchtest du eine Tasse Kaffee?“
„Danka, gern.“
Helmut Müller setzt sich zu Werner Hofinger an den Tisch.
„Na, wie geht’s heute Morgen?“
„Ach, es geht schon... Sagen Sie mal, haben Sie eine Idee, warum das Foto so wichtig ist für Gläser-Peter? Petra und ich finden keine Lösung.“
„Ich glaube schon, dass ich es weiß. Auf dem Foto nimmt Gläser-Peter ein Päckchen. Ein Mann gibt es ihm. Was ist wohl drin?“
„Vielleicht Heroin?“
„Genau. Und der Mann, der Gläser-Peter das Päckchen gibt, ist der Besitzer. Gläser-Peter ist der Verkäufer, der Mann ist aber wichtiger; er ist der Großhändler.“
Oh Mann“, sagt Werner, „ich will eine Reportage über die Berliner machen und was mache ich? Eine Reportage über Heroinhandel!“
Werner Hofinger arbeitet schon lange als Journalist und Fotograf. Er hat viele Länder besucht, hat viele Menschen kennen gelernt und hat nie große Angst gehabt. Heute aber fühlt er sich nicht gut. Heute hat er Angst.
„Ja, Werner, du hast ein Foto von zwei Heroinhändlern gemacht. Der eine ist bekannt, er war im Gefängnis. Der andere ist bis jetzt unbekannt. Aber durch dein Foto kann die Polizei ihn erkennen und ihn auch ins Gefängnis bringen. Aber das Problem ist, er geht bestimmt nicht freiwillig.“
„Genau“, sagt Helmut Müller. „Jetzt ist auch klar, wie alles passiert ist. Werner Hofinger macht seine Fotos von den Menschen auf dem Ku-Damm. Es gibt sehr, sehr viele Menschen dort. Mitten unter den Menschen ist der Unbekannte mit Gläser-Peter. Einer von beiden sieht, wie Werner fotografiert. Er oder beide folgen Hofinger bis zur Wohnung von Petra. Am nächsten Tag gehen sie in die Wohnung und rauben Kameras und Filme.“
„Aber... „, sagt Petra, „aber...“
„Sie merken, dass das Foto von ihnen fehlt, denn dieses Foto war im Fotolabor ’Blitz’.“
Hofinger sieht Müller und Petra an und fragt nervös:
„Also? Was soll ich machen?“
Müller hat einen Plan.
„Ich muss wissen, wer der andere Mann ist. Dazu brauche ich Sie, Herr Hofinger. Sie arbeiten einfach an der Reportage weiter. Gläser-Peter und der Unbekannte folgen Ihnen, und wir folgen den beiden.“
„Na hör’ mal, das ist doch sehr gefährlich!“ sagt Petra.
Müller nickt mit dem Kopf: „Ja, das stimmt. Wir müssen die Polizei informieren.“
„Die Polizei?“
„Natürlich, das ist besser so.“
Am Montag trifft Helmut Müller den Kommissar Schweitzer. Kommissar Schweitzer ist klein, hat eine Glatze, eine dicke Brille auf einer dicken Nase und dünne, schmale Lippen. Er hat immer schlechte Laune. Immer! Seine Kollegen sagen, er hat immer schlechte Laune, weil er immer noch nicht Hauptkommissar ist. Müller und Schweitzer sind nicht sehr befreundet, aber arbeiten oft zusammen.
„Tag, Herr Schweitzer, wie geht’s?“
„Danke, was gibt es denn?“
„Darf ich mich setzen?“
„Bitte. Also, was ist los?“
„Sie suchen doch den Gläser-Peter, stimmt’s?“
„Na und?“
„Ich kann Ihnen helfen, wenn Sie wollen. Aber dann müssen Sie mir auch helfen.“
„Quatsch.“
„Na gut, dann nicht.“ Müller steht auf und geht zur Tür.
„Moment, Herr Müller, einen Moment, bitte... Setzen Sie sich wieder.“
Müller lächelt und setzt sich wieder.
„Was wissen Sie vom Gläser-Peter?“ fragt der Kommissar.
„Sie helfen mir also?“
„Ja.“
„Ehrlich?“
„Ehrlich.“
„Ich habe einen Klienten, der gerade eine Reportage über Berlin und die Berliner Filmspiele macht. Eines Tages bekommt er einen Drohbrief. Am Tag darauf raubt man ihm seine Kameras und Filme. Er kommet zu mir, und schließlich wissen wir den Grund: Auf einem Foto ist Gläser-Peter und ein anderer Mann mit einem Päckchen.“
„Mit einem Päckchen?“
„Also bitte, Herr Schweitzer... Was ist wohl in dem Päckchen? Drogen! Heroin! Die Männer wissen, dass mein Klient ein Foto von ihnen gemacht hat und versuchen jetzt, meinen Klienten zu töten.“
„Und wer ist der andere Mann?“
„Ich weiß es nicht, aber Sie können es wissen. Hier ist das Foto.“
„Hm, also, ... nein, ich kenne ihn nicht. Aber vielleicht finden wir ihn im Archiv.“
Schweitzer ruft im Archiv an. Ein Mann kommt und holt das Foto.
„Also
Müller, was haben Sie für einen Plan? Sie haben doch einen Plan, nicht wahr?“
„Na klar. Ich finde, meine
Klient macht einfach weiter mit seiner Reportage. Die beiden Heroinhändler
verfolgen ihn, und wir verfolgen die Heroinhändler.“
„Ach du liebe Liese!“
Schweitzer sagt oft ach du liebe Liese. Helmut Müller hat oft überlegt, ob
Frau Schweitzer vielleicht Liese heißt; aber weißes bis heute nicht.
„Sie sind also einverstanden,
Herr Schweitzer?“
„Na klar; ein gefährlicher
Plan. Aber gut, sehr gut.“
Es ist Dienstag früh. Helmut Müller
ist im Büro und liest den „Tagesspiegel“.
Bea Braun, seine Sekretärin, öffnet die Tür.
„Chef, hier ist Kommissar
Schweitzer.“
„Na so was“ sagt Müller.
„Kommen Sie rein, Herr Kommissar. Möchten Sie einen Kaffee? Frau Braun,
machen Sie mir auch gleich einen? Danke schön.“
Der Kommissar setzt sich, wie immer hat er schlechte Laune. Seine Lippen sind noch schmaler als sonst. Seine Glatze glänzt. Kommissar Schweitzer schwitzt.
„Hören Sie, Müller. Wir wissen, wer der andere Mann ist. Er heißt Antonio Frucci und kommt aus Italien. In ganz Europa wird er gesucht. Bei Interpol steht ganz oben an der Liste.“
„Oh Mann, armer Werner Hofinger!“
„Ja, ja, ich weiß. Aber wir finden ihn bestimmt.“
Dienstag Nachmittag um 16 Uhr beginnt die „Operation Ferucci“. Werner Hofinger verlässt die Wohnung von Petra, geht auf die Straße. Mit der U-Bahn fährt er zum Bahnhof Zoo. Neben dem Bahnhof ist Berlins größtes Kino, der Zoo-Palast. Heute ist der letzte Tag der Filmfestspiele. Hofinger hat zwei neue Kameras und beginnt zu arbeiten. Hunderte von Menschen stehen vor dem Zoo-Palast.
Alle wollen die Filmstars sehen, die heute im Zoo-Palast sind. Alle? Natürlich nicht. Unter den Menschen sind auch Helmut Müller, Bea Braun, Kommissar Schweitzer und ... Antonio Ferucci.
Werner Hofinger sieht Ferucci etwa 50 Meter vor dem Eingang zum Zoo-Palast. Hofinger fotografiert die Menschen, die Filmstars, die Fans. Dann geht er langsam zu den Würstchenbuden. Er weiß, dass der Würstchenverkäufer Polizist ist. ER bestellt eine Currywurst. Ferucci kommt zur Würstchenbude. Ein anderer Mann steht plötzlich auch neben Hofinger ... Gläser-Peter! Hofinger hat Angst. Er sieht in der Hand von Ferucci ein Messer.
„Die Fotos! Gib mir die Fotos!“
„Welche Fotos?“ fragt Hofinger und schwitzt.
„Die Fotos von uns beiden. Du warst doch nicht bei der Polizei, oder?“ fragt Ferucci. Hofinger spürt das Messer im Rücken. In diesem Moment zieht der „Würstchenverkäufer“ seine Pistole.
„Das Messer weg! Hände hoch! Polizei!“
Hinter Ferucci und Gläser-Peter stehen Müller, Kommissar Schweitzer und zwei andere Polizisten.
In einer Minute ist alles vorbei. Werner Hofinger ist ganz weiß im Gesicht. seine Hände zittern.
„Sie waren großartig, Herr Hofinger, wunderbar, einfach wunderbar!“ sagt Helmut Müller.
Auch Bea Braun ist glücklich. Sie hatte große Angst. So ein charmanter und mutiger Mann, dieser Hofinger, denkt sie.
Bei Petra Weißer gibt es ein großes Abschiedsessen. Werner Hofinger fährt morgen zurück nach Hamburg. Helmut Müller, Bea Braun, Petra und Werner sitzen am Tisch.
„Jetzt habe ich eine interessante Reportage über Drogenhandel. In Hamburg kann ich sie an den Stern verkaufen. Das gibt ein gutes Honorar!“
„Und der Bericht über die Filmfestspiele?“ fragt Bea Braun.
„Zu den Filmfestspielen kommt er nächstes Jahr wieder“, sagt Petra und lächelt. „Da macht er eine neue Reportage.“
„Ich? Nächstes Jahr hier? Lieber bin ich dann auf den Fidji-Inseln!“
„Schade“, sagt Bea Braun und lächelt.
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